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Im behördlichen Altlastenkataster befinden sich oft mehrere Tausend Altstandorte und Altablagerungen. Unter diesen  gibt es immer eine mehr oder weniger große Anzahl von Flächen, bei denen gegenwärtig kein weiterer Untersuchungsbedarf besteht. Umgekehrt können aber bei einigen der Standorte Faktoren zusammentreffen, die einen akuten Gefahrenverdacht begründen und deshalb vorrangig untersucht werden müssen. Wo aber soll man anfangen? Die MSP GmbH hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Umweltämter Nordrhein-Westfalens ein Verfahren entwickelt, mit dem sich eine Prioritätenbildung der erhobenen Altstandorte und Altablagerungen zuverlässig vornehmen lässt.

 

Unsere Empfehlungen zur Vorgehensweise gehen von folgenden Tatsachen und Überlegungen aus:

  1. Im Ergebnis der flächendeckenden Erhebung befinden sich im Kataster Altablagerungen und Altstandorte, über die (mindestens) Basisinformationen wie Branche, Lage, Nutzungsbeginn und -ende vorhanden sind.

  2. Eine Bewertung der Altstandorte und Altablagerungen im Hinblick auf ihr Gefährdungspotenzial sollte sich an Nutzungskategorien orientieren, wobei die Bereiche herauszuheben sind, die heute eine sensible Oberflächennutzung aufweisen.

  3. Die zu betrachtenden Wirkungspfade sind

  • Boden - Nutzpflanze - Mensch (Aufnahme von Schadstoffen über den Verzehr von Nutzpflanzen)
  • Boden (Feststoff) - Mensch (orale und perkutane Schadstoffaufnahme)
  • Boden - (Boden)Luft - Mensch (inhalative Schadstoffaufnahme)
  • Boden - Grundwasser
  • Boden - Oberflächengewässer

 

Prinzipiell bieten sich zwei unterschiedliche Verfahrensansätze für die Vorgehensweise zur Bewertung der Altablagerungen und Altstandorte an:

  1. von einer Bewertung der einzelnen Altstandorte und Altablagerungen hin zu den gefährdeten Schutzgütern (sensiblen Nutzungen) oder aber

  2. von den gefährdeten Schutzgütern (sensible Nutzungen, Wasserschutzgebiete) zu den umgebenden Altstandorten und Altablagerungen.

 

Im Falle der Variante 1 würden in einem ersten Schritt sämtliche Altstandorte und Altablagerungen einer Bewertung hinsichtlich des Flächengefährdungspotenzials unterzogen. In einem weiteren Bearbeitungsschritt werden dann die „höchstbewerteten“ Flächen mit den sensiblen Nutzungen (beispielsweise Spielplätze) „verschnitten“.

 

Dagegen wird bei der Variante 2 zunächst eine Auswahl der sensiblen Nutzungen vorgenommen. Erst in einem Folgeschritt werden dann die relevanten Altstandorte und Altablagerungen hinsichtlich ihres Gefährdungspotentials betrachtet.

 

 

Ein Vorgehen gemäß Variante 2 bietet unseres Erachtens entscheidende Vorteile. Zum einen konzentriert sie sich von Beginn an auf die eigentliche Zielsetzung, nämlich die Betrachtung besonders empfindlicher Nutzungen. Nachdem hier eine Auswahl geschaffen worden ist (s. Schritt 2), kann dann die Gefährdung dieser Bereiche im Hinblick auf alle relevanten Altstandorte und Altablagerungen betrachtet werden (s. Schritt 6). Relevante Altstandorte und Altablagerungen sind nicht nur

  • Altstandorte und Altablagerungen mit Bedeutung für den Wirkungspfad Boden - Mensch auf Flächen, die heute bzw. in Zukunft (Planung) sensibel genutzt werden,

sondern auch

  • Altstandorte und Altablagerungen mit Bedeutung für den Wirkungspfad Boden - Mensch in unmittelbarer Umgebung von Flächen, die heute bzw. in Zukunft (Planung) sensibel genutzt werden.

 

Die Berücksichtigung der unmittelbaren Umgebung sensibel genutzter Flächen ist besonders für solche Altstandorte und Altablagerungen von Interesse, bei denen die Faktoren Gasmigration und Verwehung eine Rolle spielen.

 

Aus diesem Grund wird nachfolgend ein Bewertungsschema skizziert, was in einer ersten Stufe besonders sensible Nutzungen "herausfiltert". Erst anschließend wird das Gefährdungspotential der relevanten Altstandorte im Hinblick auf die betreffende Nutzung ermittelt.

 

 

 

Schritt 1:  Auswahl sensibler Nutzungsformen und Schutzzonen

In einer ersten Stufe sollte in einem Abstimmungsgespräch zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer eine Festlegung der zu betrachtenden sensiblen Nutzungen und Schutzzonen (Wasserschutzgebiete etc.) erfolgen. Idealerweise werden hierzu die ALK-Daten  sowie der FNP als Grundlage herangezogen. Die hieraus gefilterten Nutzungen lassen sich im GIS visualisieren und auch datenbanktechnisch weiterverarbeiten.

 

Schritt 2:  Differenzierung der Nutzungsformen und Schutzzonen im Hinblick auf die zu betrachtenden Wirkungspfade

Für die Vorbereitung der später durchzuführenden Bewertung der Altstandorte und Altablagerungen hinsichtlich ihrer Relevanz erscheint es sinnvoll, die ausgewählten sensiblen Nutzungsformen und Schutzgebiete im Hinblick auf ihre „Anfälligkeit“ gegenüber den oben genannten Wirkungspfaden zu differenzieren. So ist z. B. die Gasmigration (Benzin, Lösungsmittel etc.) nur bei überbauten oder randlich bebauten Altstandorten problematisch. Insbesondere sind unterkellerte Gebäude als kritisch anzusehen. Bei einer Ausgasung in die Umgebungsluft dagegen ist von einer so starken Verdünnung auszugehen, dass im Regelfall hieraus keine Gefährdungen anzunehmen sind

 

Schritt 3:  Kartografische Darstellung der nach Wirkungspfaden differenzierten sensiblen Nutzungsformen und Schutzzonen

Als Ergebnis der bisherigen Arbeitsschritte entsteht eine Karte (1:5.000 bzw. Verkleinerung der DGK 5 auf 1:10.000) mit den ausgewählten Nutzungsformen und Schutzzonen differenziert nach

  • Art (Flächenraster) und
  • Anfälligkeit“ gegenüber bestimmten Wirkungspfaden (Farbe).

 

Schritt 4:  Verschneidung der sensiblen Nutzungen/Schutzzonen mit Altstandorten und Altablagerungen

Die in Schritt 3 erstellte Karte wird nun mit den im Rahmen der flächendeckenden Erhebung erfassten Altstandorten und Altablagerungen verschnitten. Es wird deutlich, welche Nutzungen/Schutzzonen auf welchen Altstandorten/Altablagerungen  liegen bzw. von welchen Altstandorten/Altablagerungen umgeben sind.

 

Schritt 5:  Auswahl relevanter Altstandorte und Altablagerungen (Verschneidungsergebnis)

In Schritt 5 geht es darum, diejenigen Altstandorte und Altablagerungen zu ermitteln, die einer weiteren Betrachtung unterzogen werden. Dabei ist unstrittig, dass alle Altstandorte und Altablagerungen in die weitere Untersuchung einbezogen werden, die sensible Nutzungsformen und Schutzzonen überlagern. Für den Wirkungspfad Boden - Luft - Mensch können aber auch infolge Verwehungen Altablagerungen (und untergeordnet auch Altstandorte [Betriebsdeponien]) von Bedeutung sein, die in unmittelbarer Nachbarschaft einer sensiblen Nutzung liegen. In diesen Fällen ist eine weitere Berücksichtigung der betreffenden Altablagerungen und Altstandorte dringend zu empfehlen.

 

Schritt 6:  Bewertung der relevanten Altstandorte und Altablagerungen hinsichtlich ihres Kontaminationspotentials

Bis zu diesem Schritt wurden die sensiblen Nutzungsformen bzw. Schutzzonen betrachtet und mit den Altstandorten und Altablagerungen verschnitten. Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass nun ein nur relativ geringer Anteil der erfassten Altstandorte und Altablagerungen in die weiteren Beurteilungsmaßnahmen einzubeziehen ist. Ziel des 6. Schritts ist es, eine Art Rangfolge der relevanten Altstandorte und Altablagerungen in ihrer Kontaminationswahrscheinlichkeit und -erheblichkeit in Bezug auf die zu betrachtenden Wirkungspfade zu bilden. Dass hier bei Altablagerungen nur relativ vage Aussagen möglich sind, beruht auf der meist nur dünnen Datenbasis. Dennoch hat es sich in der Praxis als möglich erwiesen, aus der vorhandenen Datenstruktur ein Bewertungsschema plausibel abzuleiten.

 

Für Altstandorte sind u. a. folgende Eigenschaften bewertungsrelevant:

  • Erhebungsklasse (Branchengefährdungspotenzial) 
  • „Branchenmix“ (Anzahl und Art der Nutzungen in zeitlicher Reihenfolge auf ein und demselben Standort)
  • Nutzungszeitraum und -dauer
  • Kriegsschäden

 

Für Altablagerungen sind u. a. folgende Eigenschaften bewertungsrelevant:

  • Art des abgelagerten Materials (nur in Ausnahmefällen bekannt)
  • Nähe zu abfallproduzierenden Betrieben
  • Textur im Luftbild
  • Größe
  • Ablagerungszeitraum (1972 Abfallbeseitigungsgesetz)
  • aktueller Bewuchs.

 

Im Ergebnis der Erfassungsbeurteilung werden die mit sensiblen Nutzungsformen und Schutzzonen überlagerten Altstandorte und Altablagerungen nach dem Grad eines Kontaminationsrisikos in einem dreistufigen Schema differenziert:

  • hohes Kontaminationsrisiko,
  • mittleres Kontaminationsrisiko,
  • geringes Kontaminationsrisiko.

 

Die Ergebnisse der Erfassungsbewertung werden direkt in Datenbank und GIS integriert.

 

 

 

 

 

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