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Ziele und Methoden

 

Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg stellen immer noch eine große Gefahr dar - nicht nur direkt für den Menschen, sondern auch indirekt für die Realisierung seiner Projekte beim Flächenrecycling. Denn Suche und Beseitigung von Kampfmitteln sind oft mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Zeit- und Kostenaufwand können jedoch drastisch reduziert werden, wenn die Suche nach Bombenblindgängern gezielt auf bestimmte Grundstücksbereiche beschränkt werden kann.

 

Kampfmittelrisiken sind insbesondere in solchen Regionen vorhanden, in denen während des Zweiten Weltkriegs Bombardierungen der alliierten Luftwaffe stattgefunden haben. Kampfmittelbeseitigungsdienste gehen davon aus, dass pro Bombenangriff 10 bis 15 % der Kampfmittel nicht explodiert sind. Auch wenn ein Teil der Bombenblindgänger direkt nach den Angriffen entschärft wurde, sind die - zumeist in Luftbildern der alliierten Streitkräfte identifizierbaren - Bombentrichter nicht nur als mögliche Einbringungsorte kontaminierten Materials, sondern in ihrer flächenhaften Verbreitung auch als Areale mit Kampfmittelrisiko zu erfassen.

 

Die MSP GmbH führt Kampfmittelrecherchen auf Bundesliegenschaften im Auftrag der Oberfinanzdirektion Niedersachsen durch (HgR-KM). Nach den Vorgaben der OFD werden regelmäßig die Verursachungsszenarien Luftangriffe, Bodenkämpfe, Munitionsvernichtung, militärischer Regelbetrieb, Munitionsproduktion und  -lagerung sowie sekundäre Kampfmittelbelastungen untersucht und bewertet.

 

Ein Problem "am Rande": Beseitigung von Aufschüttungen zur Vorbereitung der Kampfmittelsondierung

 

In potentiell kampfmittelbelasteten Regionen, wie z. B. dem Ruhrgebiet, kommt es nicht selten zu Situationen, die Baumaßnahmen erheblich verteuern können. Die typische Fallgestaltung:


  • Eine zu bebauende Fläche wurde während des Zweiten Weltkriegs mehrfach bombardiert.
  • Luftbildauswertungen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ergeben einerseits an verschiedenen Stellen konkrete Verdachtspunkte für Bombenblindgänger, andererseits besteht für das gesamte Gelände ein „diffuser Kampfmittelverdacht“, der bei Bauvorhaben zur Beachtung rechtsverbindlicher Sicherheitsmaßnahmen zwingt.

     

  • So schreibt der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) vor, bei Bauaktivitäten etwaiges Aufschüttungsmaterial, das nach dem Zweiten Weltkrieg (genauer: nach dem letzten Bombenangriff) aufgetragen wurde, zu beseitigen, um ungehindert nach Blindgängern suchen zu können (s. folgende Skizze).

 

Da mit dieser - absolut berechtigten - Forderung des KBD erhebliche Kosten verbunden sind, die die Vermarktungsfähigkeit der betroffenen Grundstücke gravierend beeinflussen können, hat die MSP schon mehrfach Gutachten erstellt, die eine jeweils dem Einzelfall angepasste kostenoptimale Strategie des Kampfmittelmanagements zuließen.

In der Praxis hat sich in zahlreichen Fällen gezeigt, dass diese Aufschüttungen nach dem letzten Luftangriff nicht gleichmäßig erfolgten, sondern unterschiedliche Grundstücksbereiche betrafen und auch unterschiedliche Mächtigkeiten aufwiesen.  Für die Vermarkungsfähigkeit der Grundstücke ist daher entscheidend, ob bzw. in welchem Umfang ein kostenintensiver Abtrag von Aufschüttungsmaterial zum Zweck der störungsfreien Kampfmittelsondierung stattfinden muss.

Ziel ist es daher festzustellen, wo und in welchen Mächtigkeiten diese Aufschüttungen der Nachkriegszeit zu erwarten sind. In der Praxis haben sich dabei zwei Verfahren als besonders effizient erwiesen:

 

1. Auswertung von Bohrprofilen

Die genaueste Methode ist die Recherche nach und Auswertung von Bohrprofilen (etwa Profile im Rahmen von Baugrunduntersuchungen) und die Übertragung in ein Geographisches Informationssystem. Da bei den Bohrungen die Höhenlage des „gewachsenen Bodens“ ermittelt wird, können so die Aufschüttungsmächtigkeiten bestimmt  und mittels Interpolation in Form von Mächtigkeitsklassen flächig dargestellt werden (s. untenstehende Grafik).

Meist analog vorliegende Sondierungspläne werden gescannt und georeferenziert. Die Mächtigkeiten werden interpoliert, insbesondere dort, wo keine Daten zur Mächtigkeit vorliegen (sei es durch fehlende oder abgebrochene Sondierungen [Bohrhindernisse]) oder durch fehlende Profildaten.

 


 

 

2. Luftbildauswertung

 

Sind Bohrprofile nicht oder in nicht hinreichender Anzahl verfügbar, ist eine multitemporale Luftbildauswertung mit Höhenmessungen zu empfehlen. Ausgehend vom Höhenniveau des Untersuchungsgeländes im Jahr 1945 lassen sich Geländeveränderungen durch stereoskopische Luftbildauswertung im Regelfall bis in die Gegenwart hinein hinreichend genau rekonstruieren.

Da Höhenverhältnisse aufgrund fehlender Aufnahmeparameter in Kriegsluftbildern nur schwer bzw. ungenau zu ermitteln sind, muss das Ausgangsniveau, also das absolute Höhenniveau nach dem letzten Luftangriff, aus anderen Quellen abgeleitet werden (z.B. aus nicht-amtlichen Karten, Plänen/Lageplänen).

 


Literatur über Kampfmittelrecherchen

KERTH, M., LAMPE, A., LUBIENETZKI, B. & MARK, H. 2001: Ermittlung der Mächtigkeit anthropogender Auffüllungen mit Hilfe der Luftbildauswertung. - In: TerraTech 1/2001, Mainz, 37-39.

DODT, J., MARK, H. & RUPPEL, G. 2004: Kriegsbedingte Kontaminationsanteile auf altlastverdächtigen Altstandorten. - Materialien zur Raumordnung, Bd. 63, Bochum, 118 S.

MARK, H. 2004: Aktuelle Fragestellungen Historischer Recherchen. - In: altlasten spektrum, 5/04, Berlin, 276-281.

 

 

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