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Bochum-Höntrop, Siegen - Tagesbrüche werden von der Öffentlichkeit nur dann registriert, wenn es sich um spektakuläre Fälle handelt. Verbruchereignisse treten jedoch z.B. im Ruhrgebiet in einer Zahl von jährlich 40 bis 60 auf und bergen damit erhebliche Risiken für Schutzgüter.

Der latenten Gefahr versuchen die verantwortlichen Eigentümer und Behörden zunehmend durch ein systematisches Risikomanagement zu begegnen. Ziel ist es, durch die Ermittlung möglichst exakter Informationen Risiken räumlich einzugrenzen und durch entsprechende Folgemaßnahmen zu minimieren.

Die Rekonstruktion der bergbaulichen Tätigkeiten ist im Regelfall anhand von Grubenbildern, d.h. kartographischer Darstellung von Grubenbauen, möglich. Unter den sehr vielfältigen Formen von Grubenbildern sind in erster Line die so genannten „Tagesrisse" als Informationsquelle heranzuziehen, da diese die zur Lagebestimmung zwingend erforderlichen topographische Elemente enthalten.

Tagesrisse enthalten alle „Tagesgegenstände", auf die der Bergbau wegen seiner Einwirkung im Interesse der öffentlichen Sicherheit Rücksicht zu nehmen hat: Gebäude, Verkehrswege, Gewässer, Leitungen, ferner Markscheiden und sonstige Berechtsamsgrenzen sowie Schutzbezirke, Pingen, Bergehalden und Schlammgruben, das Ausgehende der Flöze und Leitschichten, alle Schächte, Stollenmundlöcher, Bohrlöcher, Schürfe und übertägige Sprengstofflager sowie Kreis- und Gemeindegrenzen.

Für ein effizientes Risikomanagement ist es erforderlich, einen schnellen und vollständigen Zugriff auf alle relevanten Grubenrisse zu haben.
Diese Anforderung erfüllen GIS-basierte Grubenriss-Informationssysteme. Die digitale Aufbereitung und Verwaltung der Risse ermöglicht dabei eine exakte Projektion auf die aktuelle Topografie sowie die Einrichtung spezieller Suchfunktionen. Der Aufbau derartiger Systeme wurde von der MSP GmbH bereits erfolgreich durchgeführt.

Die Vorgehensweise lässt sich grob in folgende Stufen gliedern:

  • Einscannen der Risse mit einem Großformat-Scanner (z.B. A0-Einzugscanner).
  • Erfassung und Indizierung der Risse in einer Rissdatenbank
  • Bildbearbeitung (Pixelreduktion, ggf. Drehung und Verschiebung zur Ausrichtung auf das dargestellte Lagebezugssystem, Zuschnitt)
  • Georeferenzierung (in mehreren Einzelschritten)
  • Integration weiterer Kartenwerke (z.B. Hauptgrundkarten, Flözkarten, Geologische Karten) und digitaler Daten (z.B. Liste der Tagesöffnungen und Schächte - SATÖB), digitale Flurkarte - ALK, Gebäudereferenz NRW
  • Einrichtung eines komfortablen Routingsystems mit Abfrage/Suchmaske.

 


 

Die Gefahrenabwehr in Gebieten mit oberflächennahem Bergbau erhält mit dem Grubenrissinformationssystem ein Instrument, das die erforderlichen Analysen und Bewertungen (Risikoabschätzung) effizienter ablaufen lässt und die Aussagesicherheit erhöht. Der Aufbau der Funktionalitäten erfolgte entsprechend in enger Abstimmung mit den Fachleuten, die zukünftig die Risikobewertungen durchzuführen haben.
Eine GIS-gestützte systematische Identifizierung und Prüfung von Gefährdungspotenzialen durch Tagesbrüche in Bebauungsgebieten und im Bereich von Verkehrsträgern ermöglicht es somit, Lösungen zu erarbeiten, bevor „das Kind in den Brunnen" bzw. „das Haus in den Krater" gefallen ist.

Weitere technische Einzelheiten und Details erörtern wir gerne in einem Fachgespräch.


Literatur

MARK, H., SCHEWE, J. & STEIN, G. 2004: Digitales Grubenriss-Informationssystem - Ein Instrument des Risikomanagements im Bergbau. - In: Kartographische Nachrichten, 3/2004, Bonn, 117-123.

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